111, 121, 85 | 2019 | Acryl, LED-Lampen, 50m Stromkabel, Sprühdose, Beamer-Projektion auf Gipsplatten | Ausstellungsansicht #9d725b

Fotografie:  Manja Hermann

#9d725b – so schreibt sich der hashtag eines hexadezimalen Farbencodes, der sich ergibt, wenn digital der Mittelwert all derjenigen Farben errechnet wird, die in den ausgestellten Gemälden zu sehen sind. Dieser zeigt ein bräunliches Grau, das schön sein kann, aber auch langweilig und mehr noch als eine kritische Frage zu verstehen ist, was ein solcher grauer Durchschnittswert, der in beliebigen Statistiken zum Ausdruck kommt, überhaupt repräsentiert. Jedenfalls nicht die kreative Vielfalt der bunten Außenflügel, welche die Bilder der Ausstellung repräsentieren.

Gezeigt werden Arbeiten von Studierenden der Malerei an der HfK Bremen, gemeinsam mit Werken von Achim Bertenburg, der als malender Künstler zugleich Techniken des Malens an der Hochschule unterrichtet. Gut drei Jahre schon begleitet er die jungen Künstler*innen mit praktischen Anregungen wie in vielen Diskussionen über den aktuellen kulturpolitischen wie philosophischen Stellenwert von Malerei, in denen immer wieder auch ihre materiellen Bedingungen im Fokus stehen – im Kontrast zur bodenlosen Immaterialität der Allgegenwärtigkeit digitaler Bilder.

Ein Spektrum an Möglichkeiten der Malerei wie zugleich an reflektierten Bedingungen ihrer Möglichkeiten werden gezeigt, die radikal reduziert wie ebenso erweitert und kombiniert werden, so dass sie als klassisches Kunstmedium immer wieder an ihre Grenzen geführt wird. Diese gerade nicht zu überschreiten, wie dies allenthalben in den 1960/70er-Jahren geschah, sondern sich auf ihre spezifischen Mittel um so stärker zu konzentrieren, gehört zu den großen Qualitäten dieser Ausstellung. Dazu kommt die Art und Weise der genau kalkulierten Präsentation der Bilder, deren energetische Entfaltung sich insbesondere dem natürlichen Tageslicht verdankt. Vordergründige Widersprüche zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit, Repräsentation und Selbstreflexion werden dabei nicht nur aufgehoben, sondern vereinen sich zu den zwei Seiten einer Medaille. Die eine ist nicht ohne die andere möglich. Dies ist ein starker Grund der Bilder, der verborgen und offen zugleich ist.

Martin Schulz

Mit freundlicher Unterstützung der Karin und Uwe Hollweg Stiftung und der Waldemar Koch Stiftung