24,7" | 2019 | Bildprojektion Installation | Home Work Ausstellung

Fotografie: Manja Hermann 2019

Ausstellungsansicht von "Home Work" mit Klasse Fort (Jenny Kropp) 2019

Zu Wohnen bedeutet sich einzurichten. In den eigenen privaten Verhältnissen. Manches, das uns umgibt, haben wir uns selbst ausgesucht, einfach weil es schön ist. Das meiste hingegen kam zu uns, weil es da war, blieb dann, weil es keinen Grund oder keine Möglichkeit gab es zu ersetzten. Das Geschirr von der Oma, ja vielleicht hat man sich das abgeschabte Blumenmuster am Rand der Schale nie gewünscht, aber früher zu Ostern gab aus eben jener Schale immer den traditionellen Eiersalat, irgendwie plump, aber liebgewonnen. Genauso gibt es das Vermissen eben jener Gegenstände, z.B. weil das Leben in Deutschland nur eins auf Zeit ist, es keinen Sinn gemacht hat den Hausstand von einem anderen Kontinent mitzubringen und dann ist da diese Wohnung mit dem Nötigsten, Praktischen, die erst langsam mit einer neuen eigenen dinglichen Historie aufgefüllt wird. Überhaupt: die Wohnungen, in denen wir leben, sind oft nicht unbedingt die, die man sich gewünscht hat, oder überhaupt ausgesucht hat, meistens sind es einfach nur die, die man bekommen hat.

Wir sind Student_innen. Das beschreibt keine homogene Gruppe. Die einen leben noch bei ihren Eltern, die anderen leben schon lange allein, manche in WGs, manche weil sie das wollen, andere können sich nichts anderes leisten. Manche kommen aus Bremen, andere aus Korea oder Taiwan oder auch aus dem Scwäbischen. Einige bekommen Bafög, andere werden von ihren Eltern unterstützt, wieder andere müssen sich ihren Lebensunterhalt selbst erarbeiten. Uns eint der Umstand, dass wir alle noch in einem Zwischenstadium sind. Dieses ‚Dazwischen-Sein‘ ist immer auch ein ‚Prekär-Sein‘. Fraglich allerdings ob sich das für überhaupt jemanden von uns je ändern wird, studieren wir doch Kunst.

Site specific ist das Buzzword der zeitgenössischen Kunst. Kunst für bestimmte Orte, bestimmte Bedingungen. Kunst die den Ort, an dem sie gezeigt wird, mit einbezieht und reflektiert. Der Ort wird auf seine Geschichte, auf die durch ihn produzierten Ein- und Ausschlüsse, seine Funktion (für die Gesellschaft) untersucht. In ihn wird interveniert. Was aber, wenn diese Orte unsere eigenen Wohnungen sind? Wie untersuche ich mein eigenes Zimmer? Wie interveniere ich in meine eigene Küche? Was stelle ich aus? Was nehme ich zurück? Was ist mir peinlich? Warum eigentlich? Wie erkläre ich das meinen Mitbewohner_innen? Ändert sich meine Arbeitsweise, wenn ich Kunst auf der Folie meiner eigenen Intimsphäre produziere? Ändert sich mein Verhältnis zu meiner Wohnung?