„Mein Kunst-Stück“ mit Francisco Jose Valenca Vaz „Archäologische Einbettung“: Offener Schwebezustand | Kreiszeitung | 2018

Bremen – Von Ilka Langkowski. „Archäologische Einbettung“ heißt Francisco Jose Valenca Vaz’ Bild, das er in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. Es ist ein Raumteiler als Triptychon, angelehnt an die in Kirchen zu findenden dreiteiligen Altarbilder.

„Meine Mutter hatte viele kleine Triptychons“, sagt Francisco Jose Valenca Vaz. Mit einer Höhe von 1,60 Metern und Breite von insgesamt 2,80 Metern hat Vaz’ „Archäologische Einbettung“ jedoch eher das Format eines großen Altarbilds. Im Gegensatz zum Altarbild muss der Betrachter aber nicht nach oben schauen, denn das Öl-Bild steht ohne Sockel auf dem Boden. Auch die Flügel sind etwas kürzer, so dass der Mittelteil nicht komplett verdeckt werden könnte. Die Anspielung auf ein Altarbild, die Ambivalenz zwischen früher und heute, macht dem Künstler Spaß. Dazu gehört zum einen die Wiederholung von Formen, die es in der Kunst schon gab. Zum anderen ist es aber auch die Auflösung ihres bisherigen Charakters dadurch, dass sie eine neue Bedeutung bekommen.

„Alle Formen sind in das gesamte Bild eingebunden. Sie funktionieren wie ein Ping-Pong-Spiel, bei dem sie sich den Blick des Betrachters gegenseitig zuspielen“, erklärt der junge Künstler. Maße und einzelne Elemente wiederholen sich. Sie korrespondieren in Formen und Farbe. Flächen oder Räumlichkeit werden angedeutet, bleiben aber im Unklaren. Diesen offenen Schwebezustand zu schaffen, bei dem der Betrachter nach etwas Konkretem und Vertrautem sucht, reizt den 22-Jährigen an der Kunst.

Gezeichnet hat Vaz eigentlich schon immer, wie er sagt. Bereits als Fünfzehnjähriger fertigte er Porträts und verkaufte sie. Als Vaz bereits in Brasilien Design studierte, bekam er ein Flugticket nach Deutschland. Er blieb länger als drei Monate und begann ein Jahr später sein Studium an der Kunsthochschule in Ottersberg. Ein Jahr darauf wechselte er zur Hochschule für Künste nach Bremen.

 

Erste Zeit besonders anstrengend

Die erste Zeit war für den jungen Brasilianer besonders anstrengend. Ohne Deutschkenntnisse musste er Geld verdienen und studieren. Auch jetzt besteht der Alltag aus sechs Stunden Broterwerb, anschließenden Seminarbesuchen und der künstlerischen Arbeit am Abend. Freie Tage oder Wochenenden sind selten, denn Vaz muss noch viel für das Studium lernen. Große ökonomische Interessen verfolgt der Nachwuchskünstler nicht. „Dafür wäre es keine gute Entscheidung gewesen, Kunst zu studieren“, sagt er und lacht. Vielmehr gibt ihm die Kunst einen Raum mit Freiheiten, die in einer strengen gesellschaftlichen Struktur sonst nicht gegeben sind. Eine Herausforderung in der künstlerischen Arbeit glaubt er darin zu sehen, nicht faul zu werden und immer wieder das Gleiche zu machen. Dass seine Motivation nachlassen könnte, glaubt er nicht. „Dazu ist es viel zu schön, Kunst zu machen.“

Ob wir Kunst brauchen? – „Man braucht zwar keine Kunst wie Atemluft oder Essen, aber Kunst ist überall um uns herum. Alles hat ein ästhetisches Potenzial, vom designten Fahrrad bis zu dem, wie wir etwas tun.“

Zu den Künstlern, die für Vaz besonders bedeutend sind, zählen die Zeitgenossen Thomas Scheibitz aus Berlin und sein Bremer Hochschulprofessor Stephan Baumkötter. An Scheibitz gefällt Vaz, wie dieser Sachen sieht und in Kunst umsetzt. Bei Baumkötter ist es die Denkweise, die ihn begeistert – er will ihn aber nicht kopieren.

Wenn Vaz jemandem ein Bild als Botschaft schicken sollte, dann ginge ein Bild an den französischen Philosophen Jean-Luc Nancy. „Seine Gedanken über Pluralität und Gegensätze haben mich begleitet und unterstützt.“ – Kreiszeitung, Ilka Langkowski, 14.06.18